Talk About #02 - Musik machen kann auch anstrengend sein

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Musik machen macht Spaß. Musik machen ist erfüllend. Musik machen verbreitet
Freude. Musik machen löst Gefühle aus. Musik machen ist aber auch Arbeit. Zwar Arbeit,
die sehr schön ist, aber trotzdem auch Arbeit. Musik machen kann auch anstrengend sein.
Es wird vor allem dann anstrengend, wenn manche Menschen völlig falsche
Vorstellungen davon haben, wie es ist, sich das alles wirklich anzutun. Klar bekommt man
eine Gage für den Abend. Das mag auch auf den ersten Blick viel Geld sein. Wenn man
aber beginnt, sich zu überlegen wie viele Stunden nötig sind um so eine Auftritt zu
realisieren, fällt der Stundenlohn ziemlich gering aus.

Es ist ja nicht nur so, dass wir als Musiker auf der Bühne stehen und Spaß haben. Doch
natürlich macht es Spaß, sonst würden wir ja nicht Musik machen. Aber bis es zu dem
Zeitpunkt kommt, um überhaupt auf der Bühne zu stehen, heißt es:

• Auftritt organisieren
• Equipment einräumen
• Zum Auftrittsort hinfahren
• Aufbauen
• Soundcheck
• Warten bis zu Spielbeginn
• Spielen (4 - 5 Stunden)
• Abbauen
• Nach Hause fahren
• Equipment ausräumen

Da kann so ein Tag schon von 12 Uhr Mittag bis zum nächsten Tag 4 Uhr früh dauern.
Man sollte sich das also NICHT antun, wenn man es nicht mit absoluter Leidenschaft
macht.

Das wäre eigentlich gar nicht so schlimm, wenn es nicht manchmal wirkliche
„Spezialisten“ unter den Gästen und den Veranstaltern geben würde, die irgendwie
überhaupt keine Ahnung haben, wovon sie reden und denken, wir als Musiker wären
irgendwelche Typen, mit denen man ja sowieso herumspringen kann, wie man möchte.
Man könnte meinen, sie denken, wir als Musiker können ja überhaupt froh sein, einen
Auftritt zu haben…ähm…nein…ihr als Veranstalter dürft froh sein, so einen coolen Abend
mit guter Musik zu haben.
Was die Veranstalter betrifft, ist es oft wirklich interessant, mit welcher Einstellung sie
Musiker behandeln.

Ein paar Beispiele?
Ich durfte schon mit einer Band schon mal in einem ungeheizten Zelt aufbauen. Das ist
total lustig, wenn man die Finger dann gar nicht mehr bewegen kann. Als es dann darum
ging zur Unterkunft zu fahren, um sich umzuziehen waren wir von allen möglichen Autos
eingeparkt…also lief da nicht viel mit Umziehen, um ein besseres Outfit für den Abend zu
haben. Das Highlight an diesem Abend war dann als der Veranstalter am Ende des
Abends sagte: „Die Band hat jetzt aufgehört zu spielen. Sie müssen die Getränke jetzt
wieder selbst bezahlen.“

Ein anderer unvergesslicher Auftritt war der, als ich mit meiner Band auf einer Talstation
eines Schigebietes im Winter gespielt habe. Unsere Anlage wurde so verkabelt, damit die
Gäste, die in dem Gebäude der Talstation saßen, uns auch über die Hausanlage hören
konnte. Der Veranstalter hat allerdings mitgedacht und da es ja kalt war, hat er für uns
Heizstrahler vor die Bühne gestellt damit wir uns da aufwärmen konnten. Das Problem
war nur…sämtliche Heizstrahler fielen aus. Dadurch wurde es auf der Talstation im
Winter kalt. Sehr kalt. Das haben auch die Gäste gemerkt, darum sind sie ins Gebäude
reingegangen, sie konnten uns ja über die Hausanlage hören. Da es kalt war, haben sie
natürlich auch sämtliche Türen zugemacht, damit es im Gebäude schön warm blieb.
Letztendlich haben wir dann als Band alleine draußen gespielt…im Winter…ohne
Heizstrahler…und es war wirklich saukalt. Das zum krönenden Abschluss an dem Abend
noch meine Gitarre auf mein Effektboard gefallen ist sei der Vollständigkeit halber noch
erwähnt.

Eine Hochzeit war auch lustig. Es wurden so viele Einlagen für das Brautpaar gemacht,
dass wir relativ wenig zum Spielen kamen. Nach dem Auftritt kam der Vater des
Veranstalters zu uns und meinte: „Ihr habt je eh nicht so viel gespielt…deswegen könnt ihr
auch weniger verlangen.“ Ja…wir haben wenig gespielt…aber wir waren anwesend und
spielbereit und hätten gespielt, wenn weniger Einlagen gewesen wären. Das war also nicht
unser Problem…natürlich haben wir den vollen Preis bekommen.
Das waren 3 Erlebnisse mit 3 verschiedenen Bands in denen ich gespielt habe.
Die Gäste haben manchmal natürlich auch interessante Vorstellungen über das
Musikerdasein. Abgesehen von den regelmäßigen Vorwürfen wie „Waaaas?!? Ihr hört
schon auf?!?!?“ (nachdem wir eh schon 4 - 5 Stunden gespielt haben), „Ihr seid ja
fad!“ (nein, wir haben unseren Vertrag erfüllt und sind einfach hundemüde) gibt es immer
wieder recht „lustige“ Kerle.

Da ich mit den Bands, in denen ich spiele, auf relativ professionellem Niveau unterwegs
bin, hat natürlich auch unser Equipment einen gewissen Wert und ist deswegen auch
relativ teuer. Nichtsdestotrotz kann es da schon mal passieren, dass da jemand zu einer
Box pinkelt (wohlgemerkt, da haben wir in einem Saal gespielt) oder es passieren auch
andere „lustige“ Erlebnisse.

Einmal kam ein Gast nach dem Auftritt auf die Bühne und bat um das Mikrofon, weil er
eine Durchsage machen wollte. Natürlich waren wir freundlich und haben ihn die
Durchsage machen lassen. Die Durchsage bestand allerdings nur aus Geschrei in das
Mikro. Nachdem er fertig geschrien hatte, lies er das Mikrofon demonstrativ auf den
Boden fallen.


Ein anderes Mal kam auch wieder einer aus dem Publikum und wollte andauernd nach
dem Mikrofon greifen. Nachdem ich ihm gesagt habe, dass er es lassen sollte, da das
Equipment sehr teuer ist kam die intelligente Antwort: „Das ist doch nur ein Mikrofon.
Das ist nicht so teuer. Ich habe auch eines bei Singstar dabei.“ Mhm…ja, genau…und das
hat natürlich die gleiche Qualität wie ein Funkmikrofon, das man zu professionellem
Musikequipment zählen kann.

Auch diese Erlebnisse mit den Gästen habe ich bei unterschiedlichen Bands miterlebt.
Also wenn man sich wirklich dazu entscheidet Musik auf einem professionellen Level zu
machen muss es einem bewusst werden, dass es mehr ist als nur ein Hobby. Es ist
Leidenschaft, die unglaublich erfüllend ist, aber einem manchmal auch sehr viel
abverlangt.

Nichtsdestotrotz bereue ich es keine Sekunde mit der Musik angefangen zu haben und
ich freue mich schon auf all das, was ich auf dieser Reise noch erleben werde.
 
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Ich denke mir halt so...wenn ich mich wo nicht auskenne frage ich ob ich mal was angreifen darf...oder ich respektiere den Abstand und halte mich zurück. 😁
Ich war einmal bei einer Open Stage Night und da nahmen auch irgendwelche Leute einfach meine Gitarre ohne zu fragen.
Also weiß ich wie lästig das sein kann.

Einmal spielte eine reine instrumentale Rockband in Innsbruck und dann kam ein angetrunkener Zuschauer einfach auf die Bühne und sang oder besser beschrieben lallte ins Mikrofon.

Das sind dann schon Momente wo ich mir denk, das geht doch irgendwie zu weit.
 
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